
Dass es in Japan großartigen Tiefschnee zum Skifahren gibt, ist längst kein Geheimnis mehr. Obwohl in den größeren Skigebieten mittlerweile einige größere Resorts stehen, findet man dennoch traumhafte, wenig zerfahrene Tiefschneehänge.
Da Anreise nach Hokkaido dauert von Europa aus recht lange. Wir trafen uns zu siebt in München am Flughafen und flogen mit Lufthansa zunächst nach Tokio Haneda, was bereits 12-13 Stunden dauerte. Die Aufgabe von Skiern als Sperrgepäck war in der Economy inkludiert, und die Mitnahme unserer Lawinenrucksäcke (Gefahrengut mit Ausnahmebewilligung) etwas langwierig, aber vollkommen machbar. (Sowohl Lufthansa als auch ANA) Mit 8 Stunden Zeitverschiebung landeten wir in Japan am Morgen. Unser Weiterflug nach Hokkaido wäre 2 Stunden später geplant gewesen – aufgrund starken Schneefalls um Sapporo fiel unser Flug jedoch aus, sodass wir auf den Folgetag umgebucht wurden. Von neun Skitagen einen gegen Tokio einzutauschen, fand ich gar nicht mal so schlimm, aber erzählt das bloß nicht meinen Powder-Buddies!
Angekommen in Neu-Chitose wurden wir von einem privaten Shuttle zur Mietwagenstation gebracht, wo wir zu siebt einen Kleinbus und einen normalen Kombi mieteten. Auf den Straßen lag viel Schnee, die Räumfahrzeuge hatten viel zu tun. Aber mit unseren Allrad-getriebenen Toyotas kamen wir überall gut durch.
Zitat Steffen: „Macht beim Gas geben ein Haufen Lärm, aber sonst passiert da nicht viel!“
Unser erster Stop war das größte Skigebiet Hokkaidos: Niseko. Wir hatten über Air BnB ein schönes Haus gemietet, etwa 10 Minuten mit dem Auto von der Talstation entfernt.
Das Skigebiet umfasst einige elegantere Hotels, in den Schlangen am Lift sind geschätzt über 90% ausländische Touristen.
In Niseko sind die meisten Lifte auf modernem europäischem Stand. Die Pisten sind gut präpariert, und auch abends bis 19/20 Uhr kann man auf den beleuchteten Pisten Skifahren. Doch dafür waren wir ja nicht den weiten Weg von Deutschland aus hergekommen – wie sieht’s abseits der Pisten aus?
Zugegeben, die Bereiche, welche in direkter Pistennähe liegen, waren bereits gut ausgefahren. Doch wenn man etwas Aufsteigen / Transferieren in Kauf nimmt, gelangt man in abgelegenere Bereiche des Geländes, in denen sich weniger Spuren finden. Eine Besonderheit dabei ist, dass der Zugang von der Piste aus über gekennzeichnete Gates erfolgt, welche auch nur bis c.a. 14:00h geöffnet waren. Durchquert man an anderer Stelle die Absperrbänder, droht der Skipassentzug.
Nach etwas Suchen also setzten wir die ersten Schwünge in den japanischen Powder. Mit einer Rechtskurve eintauchen, den Rebound für den Last- und Richtungswechsel nutzen, zur Linkskurve eintauchen und dann wieder von vorne. Schnell stellt sich ein Flow ein, der süchtig machen kann!
Die Qualität des Schnees ist fantastisch. Durch die tiefen Temperaturen ist alles viel lockerer, fluffiger und leichter als der schwerere Tiefschnee, welchen wir aus den Alpen kennen. Zudem sind die riesigen Mengen einfach der Wahnsinn. Innerhalb 24h kommen schnell mal 60 Zentimeter oder mehr runter.
Eine weitere Besonderheit des Geländes ist die Bewaldung. Wahrscheinlich aufgrund der tiefen Lage (300-1900 m.ü.M.) fährt man oft durch enge Birkenwälder. Nach „Getting Lost“ ist „Hitting Tree“ der zweithäufigste Grund für Rettungseinsätze. Lawinen sind aufgrund der Bewaldung und tieferen Temperaturen (Keine Schwachschichten im Altschnee) im Schnitt weniger problematisch – trotzdem sollte man jeden Einzelausflug in ungesichertes Gelänge separat betrachten.

Von Niseko aus gut zu sehen ist der Yotei-San. Mit seiner sehr typischen Vulkan-Form planten wir eine Skitour in den Krater, welche wir allerdings kurz oberhalb der Baumgrenze abbrechen mussten – der Wind bei -15°C war einfach zu stark für ein verantwortungsvolles Weitergehen. Trotzdem ein einmaliges Erlebnis, die kontinuierlich ansteigende Flanke aufzusteigen und abzufahren.
Hüttengaudi? Fehlanzeige, aber No Ramen – No Life!
Frühmorgens den Skitag gestartet, setzt bei mir normalerweise ab 11 Uhr der Kaiserschmarrn-Hunger ein. Doch in Japan läuft die Mittagspause etwas anders: In den meisten Skigebieten gibt es mindestens an der Talstation ein Restaurant, welches die berühmte heiße Nudelsuppe, genannt Ramen, anbietet. Man kommt am Eingang immer zu einem Automaten, an dem man Essensmarken kauft. Dann geht man zum Tresen, übergibt die Marke und erhält wenig später seine Ramen. Wasser ist immer gratis dabei. Ein absoluter Genuss, bei kalten Temperaturen warm und wohltuend, und vor allem fährt man danach ohne schweren Bauch weiter. Für kleinere Pausen zwischendurch findet man überall Getränkeautomaten, die sowohl kalte Softdrinks, als auch heißen Tee oder Kaffee (aus einer Aluminium-Flasche!) ausgeben. Ich hab mir öfters an Talstation noch einen heißen Tee geholt, und diesen dann in der Gondel genossen.
Nach 5 Tagen Niseko wechselten wir das Air-BnB und fuhren nach Furano. Isa und ich machten einen Zwischenstopp in der 2 Millionen-Einwohner Stadt Sapporo (Shopping, Food-Market, fantastisches Sushi).
Unser neues Zuhause bot uns zu siebt wieder gut Platz, und hatte zudem eine Holzofensauna im Garten, die wir ausgiebig nutzten. Furano als Skigebiet ähnelt Niseko, ist aber kleiner und hat weniger moderne Anlagen.
Das Konzept mit den Gates ist hier das gleiche, die Landschaft mit den schönen Birkenwäldern auch. Da wir hier und in Kamui aber keine perfekten Bedingungen vorfanden, zog es uns nach Asahidake.
Asahidake ist der Name des höchsten Berges der Insel Hokkaido, und verfügt nur über eine einzige Stehgondel. Da die Talstation allerdings auf 1100 m.ü.M. liegt, gilt der Spot als Geheimtipp – gerade bei wärmen Wetterlagen.
Der Tiefschnee, den wir hier erleben durften, war der Beste der gesamten Reise. Leider hat sich das unter den Skifahrern herumgesprochen, sodass wir zwischen zwei Abfahren bis zu 1:30h anstehen mussten. Da die Seilbahn nur 500 Höhenmeter macht, ist man als Tourengänger an sehr vollen Tagen schneller über die Piste hochgelaufen, was Isa und ich am letzten Tag unter Beweis stellten.
Mein persönliches Highlight war die Skitour auf den Asahidake am letzten Skitag bei kaiserlichen Bedingungen – vorbei an dampfenden Geysiren, mit Schwüngen im unberührtem Tiefschnee. Besser geht’s nicht!
Restaurant-Highlights
- Izakaya, Tokyo
- Sushi, Shinjuku, Tokyo
- Sushi, im Nijo Fischmarkt, Sapporo
- Hand-Made Ramen, Furano